Donnerstag, 17. April 2014

#12 Der Hut

Ich fand dies schon als Kind höchst respektabel, wenn mir ein Mann mit Hut begegnete. Dann kamen noch die alten Filme aus den 20-40iger Jahren im Fernsehen dazu, die dieses Bild verfestigten.
Nun, ja nun bin ich auch schon im gereiften Alter und die Haare verlieren im Kampf ums Grauwerden und fallen peu-á-peu aus. Also zwei gute Gründe nun auch Hut zu tragen. Seit 2-3 Jahren sammele ich Hüte obigen Stils für Sommer wie Winter und der Hutständer im Flur birst vor Kopfbedeckungen, sodass ich auch noch auf dem Kleiderschrank Platz dafür schaffen musste. Und gehe tatsächlich niemals, eben sommers wie winters ohne Chapeau vor die Türe. - Nun gut, letztens einmal auf einem kurzen Wochenende in der Eifel vergaß ich tatsächlich meinen Hut und dies rächte sich prompt, da es die erste wirklichen Frühlingssonnentage waren und ich mir einen Sonnenbrand auf der Platte einholte - kein wirklicher Spaß, wenn man unter der Dusche steht! -
War es Anfangs noch ungewohnt, da noch keiner, so wie inzwischen vermehrt, damit auf die Straße geht. Aber wenn man sich so umsieht trägt ein jeder irgendwas (komisches) auf dem Kopf, nur eben nicht so was Gutes wie einen schönen Hut!
Inzwischen ist es für mich allenthalben selbstverständlich geworden, möchte es nie mehr missen und gehe mit Hut aus dem Haus (s.o.). Von den Vorteilen mal abgesehen, das es im Winter die Kopfhaut wärmt und vor Regen schützt und im Sommer die Hitze abhält, sieht es zudem auch noch prächtig aus!
Wenn ich nun Bekannten oder guten Menschen begegne, kann ich ihm und ihr meinen ganzen Respekt erweisen, indem ich höflichst den Hut lupfe und so grüße. Dabei wird immer die rechte Hand genommen (alte Ritterregel), dann der Hut wieder aufgesetzt und im nächsten Schritt, so sei es denn erwünscht die Hand gegeben. 
Fein betrachtet wird so der Grad des Respekts ersehen: 
A. ein kurze Nicken = erster Kontakt
B. kurz an die Krempe tippen = schonmal gesehen
C. kurz an die Krempe fassen = die kleine Ehrenbezeugung
D. kurz an die Krone fassen und leicht lupfen = etwas höhere Ehrenbezeugung
E. den Hut deutlich vom Kopfe heben = ist schon eine eindeutige Respekterweisung
F. den Hut vom Kopfe heben und im Halbkreis nach unten führen, sodass die Öffnung nach oben weist = voller ehrerbietiger Respekt!
Es ist schön, von seinen Mitmenschen nun anders betrachtet zu werden und zudem, dass es immer mehr Herren gibt, die sich einen feinen Hut aufsetzten und den gepflegten Stil mittragen.
Zu den Anschaffungskosten möchte ich noch folgendes sagen, damit es dem Interessierten vielleicht nicht zu schwer gemacht wird: Es gibt zwar wenige, aber sehr gute lokal Hutmacher oder auch Hutfabrikanten. Bei den ersteren bekommt man erstklassige und maßangefertige Ware, nur, ich konnte mir diese Preisklasse nicht leisten - leider. Bei den zweiten, also den Fabrikanten wie Mayser, bekommt man auch sehr gute Ware, nur auch dort sind mir die Preise (noch? ;-) zu erhaben. Obwohl, einen Strohhut MUSSTE ich mir kaufen, einen schönen Panama und der ist sein Geld wert.
So, was tun, um nun doch zu einem schönen Hut zu kommen? Na, einfach nach gebrauchten auf die Suche gehen! Auf Flohmärkten, in Secondhand-Läden, in Möbelhallen, die auch zum Teil alte Kleidung wiederverkaufen. Und, Geduld haben! Suchen, suchen, suchen und es kommen die feinsten Stücke ins Haus. 
Aber Obacht, wenn jemand dabei Angst wegen Kopfläuse hat, den Flohmärkte heissen nicht umsonst so ;-). Dann einfach den Hut in eine Plastiktüte für 48 Stunden in die Tiefkühltruhe, dann ausklopfen (vorsichtig!) und gut mit einer Kleiderbürste abbürsten. Und nach 3 Wochen wieder für 2 Tage in die Tiefkühltruhe und die Prozedur wiederholen. Dies sollten den kleinen Plagegeistern den Gar aus machen. Dies nur als kleiner Tip am Rande, ich hatte noch nie Probleme damit (dies kann aber durch den massiven Einsatz von Pomade handeln, da kommt nix durch ;-)
Nun noch ein Wort zur Pflege. Die Kleiderbürste wurde schon erwähnt und wenn es nicht zu grobe Verschmutzungen sind kann man den Filz (die Strohhüte bitte nur mit Straußenfedern abfeudeln) damit gut säubern. Einmal zum Beginn der Saison und bei Verschmutzungen zwischendurch reicht vollends. Zudem gibt es noch Hutspanner, damit der Hut nach längerem Ruhen wieder aufgedehnt werden kann.  Gerade neue Hüte (aber auch teilweise die alten, haben die Eigenschaft um bis zu einer Nummer Umfang einzubüßen und dann wird es doch arg eng am Hirn). Diese Hutspanner bekommt man hier leider nur gebraucht oder eben so wie ich neu aus Italien. Dort habe ich in Mailand einen Hutmacher ausfindig gemacht, der diese kleine feine Holzkonstruktion zuschickt. Die Handhabung ist recht einfach und 1-2 Tage in dieser Halterung und der Hut ist wieder geweitet. 
Sollte nun ein zu großer Hut gekauft werden, kein Problem. Es gibt dünne Korkstreifen, die innen unter den Umschlag gelegt werden und man kann damit um gut 1-2 Größen reduzieren.
So, dies in kurzer und bester Güte. Habt Mut zum Hut! Bringt wieder Stil ins Leben. Auch die Damen, gern. Der Hut eine fast vergessene Ikone.
Der Meister der guten Dinge von www.die-guten-dinge.de

0 Kommentare:

Kommentar posten

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite